bannerout3
Bereits im Mittelalter stand an Stelle der heutigen Alten Schranne eine Vorgängerin, von 1406 liegen Aufzeichnungen von „Kastenzins“ auf „Die Kornschranne“ vor. Wie einem Aufsatz des ehemaligen Stadtarchivars Dr. Gustav Wulz im Jahrbuch des Historischen Vereins für Nördlingen und Umgebung von 1937 zu entnehmen ist, beschloss der Rat, auf dieses eingeschossige Lagergebäude im Jahr 1526 ein weiteres Geschoss draufzusetzen.

Pläne, Baumaterial und Werkzeug lagen schon bereit, da verhinderte eine Unglückskette den Neubau für Jahrzehnte: Kurz vor Baubeginn fand man Kornwürmer, die alles Getreide zu vernichten drohten. Die folgenden sieben Jahre brachten schlechte Ernten, die Preise stiegen in astronomische Höhen.1535 und 1536 fiel der Kornpreis wieder von dreieinhalb auf einen Gulden. Man konnte jetzt wieder günstig einkaufen und beschloss umgehend den Bau einer großen Kornschranne. Im Wagrain, einem Wald auf dem Härtsfeld im Besitz der Stadt, fällte man bereits Eichen für große Balken. Sechs- bis siebentausend Gulden wurden bereitgestellt. Allerdings wollte man den Bau nicht einem oder zweien der Nördlinger Werkleute, also Stadtbaumeister, Werkmeister, und Kirchenmeister anvertrauen, denn „alle Bauten zu Nördlingen, die sie oder ihre Vorfahren gemacht, hätten Mängel und Risse wie der Wendelstein (Daniel), die Kirche, das Spital und andere.

Verschiedene Standorte kamen in Betracht, wurden aber wieder verworfen: Im Spital wäre der Baugrund zu sumpfig gewesen, an der Stadtmauer hätte man das hohe Gebäude im Kriegsfall vielleicht wieder einreißen müssen, beim Klösterle sollten lieber einträglichere bürgerliche Gewerbehäuser errichtet werden.

1598/99 jedoch wies die vorhandene Kornschranne dermaßen große Bauschäden auf, dass 1600 endgültig ein Neubau angeordnet wurde. Grundsteinlegung war am 16. Oktober 1601. Mitte März 1602 mahnte der Rat beim städtischen Werkmeister Conrad Brackenhofer den langsamen Baufortschritt an und stellte ihn zwecks schnelleren Fortgangs der Arbeiten von anderen Aufgaben frei. So konnte im April Hebauf gefeiert werden.

Im Laufe des Juni wurde der Bau endgültig abgeschlossen, am 30. Juni 1602 nahm der Rat eine Besichtigung vor und äußerte dabei höchstes Lob. „Ein gemeinsamer Früh- oder Dämmerschoppen schloss sich merkwürdigerweise nicht an“, ist den alten Chroniken zu entnehmen.

Jahrhundertelang ist die Schranne nun Zeugin der Geschichte: 1694 und 1713 kommt es fast zu Aufständen in der Stadt, als nach Missernten fremde Händler in der Schranne das Getreide zu Wucherpreisen aufkaufen, so dass den Nördlingern nichts mehr zu bleiben drohte. 1704 sperrt man nach der Schlacht auf dem Schellenberg bei Donauwörth 700 gefangene bayrische und französische Soldaten in der Schranne ein, bevor sie nach England weitertransportiert wurden.

Ab 1819 wurden entlang der Alten Schranne jährlich vier, ab 1851 jährlich acht Viehmärkte abgehalten. 1840 wurde hier ein bedeutendes überregionales Sängerfest abgehalten, weswegen sie sogar neu verputzt wurde.1865 wurde die Neue Schranne neben der Alten errichtet. 1868 stürzte ein Teil der Decken und Böden der Alten Schranne ein; der Schaden musste aufwändig ausgebessert werden. 1870 wurde hier während des deutsch-französischen Krieges ein Reserve-Verpflegungsmagazin eingerichtet.

Anfang des 20. Jahrhundert verlor die Alte Schranne wegen veränderter Strukturen im Getreidegroßhandel zusehends ihre Bedeutung; 1937 wurde der Kornhandel hier endgültig eingestellt. Die gute Alte Schranne fand seitdem Verwendung als Jugendherberge, Möbelverkaufslager, als Stützpunkt für Rotes Kreuz, Verein Alt Nördlingen, Kreisjugendring, verschiedene Sportabteilungen, Ausstellungsraum, Ausweichquartier für verschiedene Nördlinger Banken und Geschäfte.

Von Oktober 1996 bis September 1998 wurde die Alte Schranne schließlich grundlegend saniert und renoviert.